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Die Wiederentdeckung der Spiessigkeit oder: Was will die Generation Z eigentlich?

Eva Friese

Work-Life-Balance, flache Hierarchien, Idealismus – die Generation Y (auch als Millennials bekannt) hat den Arbeitsmarkt ordentlich umgekrempelt. Und gerade erst haben die Unternehmen begonnen, sich mit flexiblen Arbeitszeiten, Feel-Good-Managern und Lasertag-Events auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einzustellen, da steht schon die nächste Generation in den Startlöchern: die Generation Z. Und die stellt nicht nur gehörig auf den Kopf, was wir über die Bedürfnisse frischgebackener Arbeitnehmer zu wissen glaubten, sondern zeigt deutlicher als alle Generationen zuvor, warum der Generationsbegriff selbst problematisch ist.

Wer gehört zur Generation Z und was will sie?

Zur Generation Z gehören die Menschen, die derzeit oder in den kommenden Jahren den Arbeitsmarkt erobern. Wobei hier „alle“ natürlich auch nicht wirklich „alle“ bedeutet. In den gängigsten Definitionen umschließt sie nur die Mitglieder der gesunden Mittelschicht und aufwärts, also all jene, die man gemeinhin als gebildet und finanziell solide bezeichnen würden. Der Nachwuchs aus sozial benachteiligten und bildungsfernen Schichten bleibt oft außen vor.

Der Generation X schrieb man im Allgemeinen eine Zielstrebigkeit zu, die von materialistischen Zielen getrieben war. Über die vielbesprochene Generation Y sagte man, sie bestünde aus teamfähigen, idealistischen Digital Natives. Dagegen wirkt das, was man über die Generation Z hört, auf den ersten Blick nüchtern: Sie sei träge, ziellos und schwer zu begeistern.

Vermutlich wüsste die Gen Z nicht einmal, wogegen sie groß rebellieren sollte: Sie ist aufgewachsen mit Wirtschafts- und Finanzkrisen. Sie hat an sich selbst nicht mehr den Anspruch, Heldentaten zu vollbringen – sie hat ihren Anspruch an einen potenziellen Arbeitgeber schlichtweg der Wirklichkeit angepasst. Was klingt, als könnten sich Personalverantwortliche jetzt entspannt zurücklehnen, bedeutet genau das Gegenteil: Die jungen Arbeitnehmer scheuen sich nicht, Unternehmen und Job häufiger zu wechseln. Sie zu binden ist deutlich schwieriger als bei Angehörigen anderer Generationen.

Was ist besser als ein Zuhause und ein Abend auf der Couch?

Auch vom Statusdenken der vorangegangenen Generation distanzieren sich die Gen-Zler. Vielleicht ein kleines Auto, Urlaub auf Balkonien, ein Abend auf der Couch – was will man mehr? Kein Gehalt der Welt kann den Spaß am Beruf und nette Kollegen ersetzen. Die Generation Z legt dabei Wert auf feste Strukturen, auf Rhythmen und Regelmäßigkeit, auf einen planbaren Alltag und Inhalte, auf die sie sich einstellen kann. Die Burnouts und Depressionen der ehrgeizigen Millennials waren ein abschreckendes Beispiel für das, was passieren kann, wenn man sich für einen Job aufopfert.

Ein Arbeitgeber, der sich umfangreich auf die jüngste Generation Mitarbeiter vorbereiten will, sollte zur Vorsicht schon einmal die Samthandschuhe entstauben. Denn die Gen Z möchte sich am Arbeitsplatz wohlfühlen, und dazu braucht sie Lob und Feedback, aber auch klare Vorgaben.

Und auch wenn ein Unternehmen sich als toller Arbeitgeber mit spannenden Projekten zeigt, kann es sein, dass ein junger Angestellter wechseln und andere Erfahrungen sammeln will. In diesem Fall kann der sympathische, nun trotzdem ehemalige Arbeitgeber aber immerhin darauf hoffen, im Netzwerk des eigentlich zufriedenen, aber nun ehemaligen Arbeitnehmers weiterempfohlen zu werden. Apropos Netzwerk: Wer als Unternehmen das Internet nicht nutzt, um sich zu präsentieren, hat kaum eine Chance, sich im Bewusstsein der Nachwuchskräfte zu verankern. Denn das haben Generation X und Y auf jeden Fall gemeinsam: Beide sind Digitale Natives.

Neue (und alte) Anreize und Motivationen

Zudem müssen Arbeitgeber sich neue Anreize und Motivationen überlegen, um Mitarbeiter aus der Gen Z zu gewinnen: Unbefristete Arbeitsverträge, Mitarbeiterentwicklungskonzepte und Spitzengehälter allein ziehen nicht mehr. Spannende Projekte, klar formulierte Aufgaben und Ziele, das Gefühl, ein wichtiges Rädchen im Großen und Ganzen zu sein – darauf kommt es an.

Gute Führung bedeutet für die Generation Z, Verantwortung für das Team zu übernehmen. Gen-Z-Mitglieder möchten ein bedeutender Teil in einem Kollektiv sein, in dem jeder seine Aufgaben zu erfüllen hat. Klingt nach dem Prinzip der flachen Hierarchien? Tja, nicht jede Errungenschaft der Generation Y muss ad acta gelegt werden.

Eine Generation aus vielen Zs

Wer die derzeitige Generation als Mitarbeiter zufriedenstellen möchte, der muss also Klartext reden, sich an Absprachen halten, wertschätzen und klare Strukturen bieten. Was leicht klingt, ist es nicht immer: Die „Generation Z“, das ist ein Konstrukt, in das sich bei weitem nicht jeder Sechs- bis Zwanzigjährige pressen lässt. Die Grenzen zwischen den einzelnen Generationen verlaufen fließend, und in Zukunft werden sie nur noch schwammiger. Immer mehr 50-jährige fühlen sich vom Selbstverständnis der Generation Z angesprochen, und zahlreiche Tweens zeigen Charakteristika der Babyboomer. Mitarbeiter müssen daher zwingend weiterhin individuell betrachtet werden.

Insofern wird es nicht die größte Herausforderung für Chefs, Vorgesetzte und Personaler sein, die Wünsche der Angestellten umzusetzen, sondern sie überhaupt zu verstehen, ihnen zuzuhören und ihre Verhaltensweise richtig zu deuten. Denn Feel-Good-Manager und Lasertag-Events können natürlich auch weiterhin für leuchtende Augen in der Belegschaft sorgen – 9-to-5-Tage aber eben auch.

Bildquellen:

Baumelnde Schuhe: Death to Stockfotos

Buch auf der Couch: Death to Stockfotos

Monitor und Tasse: Death to Stockfotos

Frau mit Smartphone: Death to Stockfotos

Finally Free: Death to Stockfotos

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