EMBRACE
BLOG

ZURüCK

„The Future Is Not Female“ – oder die Frage nach dem Weg zur Gleichberechtigung

Jan Franzen

Die Zahlen sind ernüchternd – mal wieder. Der Gleichstellungsbericht der Bundesregierung zeigt auch in diesem Jahr: Frauen leisten mehr unbezahlte Arbeit als Männer, weil nach wie vor sie oft für Haus- und Betreuungsarbeit einstehen. Im Gegensatz dazu gehen Männer öfter arbeiten – und das meist zu weitaus besseren Konditionen.

Wie also das erreichen, was die Politik nicht schafft (auch, weil die Unternehmen nicht mitziehen): Gleichberechtigung. Die Idee des Lifestyle-Business-Magazins für Frauen, Edition F, gründet eine Female Future Force, in der Frauen in Workshops und Webinaren für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollen – getreu dem Motto „Zusammen sind wir stärker.“ Die Shirts, die die Kampagne anteasern (auf den Fotos sieht man übrigens ein ausschließlich weißes homogenes Frauenbild), erinnern stark an das ebenso puristische, und virale Motiv „The Future Is Female.“

Die Last einer Bewegung

Beide Ansätze sind – mindestens von der Außenwirkung der Botschaft her – nicht zielführend. Wenn Edition F „ein Jahr digitales Coaching“ verspricht, „das dich stärker macht“, sind Frauen dann per se schwach? Wenn die Message auf T-Shirts lautet, dass die Zukunft weiblich ist, was ist dann mit den ganzen restlichen Geschlechtern?

Schauen wir uns kurz an, was der Feminismus (zurecht!) fordert: Gleichheit für alle Geschlechter. Und seit Judith Butler wissen wir auch, dass Geschlecht nicht biologisch, sondern gesellschaftlich konstruiert wird – gender statt sex. Was passiert aber mit all den Transgender-Menschen, die sich nicht in dieses binäre Denken zwängen lassen?

Ein Satz auf dem Weg in den Mainstream

Das Problem dieser Bildsprache: In ihren Ursprüngen mag eine Bewegung wie die der „Future is female“ fundiert sein. Rachel Berks, die das Motiv eines New Yorker Frauen-Buchladens von 1975 vor zwei Jahren mit neuer Bedeutung füllte, nämlich dem Kampf für Planned Parenthood in den USA, wünscht sich zumindest, dass das Shirt von allen getragen wird: „It’s meaningful to people who aren’t women born women, and it’s meaningful to people who are.“

Sicher ist aber: Das Motiv ist längst im Mainstream angekommen, die ursprüngliche Bedeutung nicht. Und wenn eine Message dann in der öffentlichen Wahrnehmung zugespitzt wird, stellt sich die Sinnfrage dazu. Das konservative amerikanische National Review nimmt das Zitat Hillary Clintons Anfang dieses Jahres – „I remain convinced that, yes, the future is female“ – zum Anlass, ein starkes Beispiel zum Thema zu geben: Zeigt man Schulkindern dieses Zitat, fragen sich die Jungen, warum die Zukunft auch nicht ihnen gehöre.

Wer ist als nächstes dran?

Zum Ende noch eine ganz einfache Frage: Haben Frauen nach einem schon ewig vorherrschenden Patriarchat nicht einfach jetzt auch mal das Recht, ein Matriarchat zu fordern (ja, extreme Feministinnen tun das)? Ist das der Weg zur Gleichberechtigung? Fair wäre es, keine Frage. Aber es wäre falsch. Die große Bürde, die Frauen und die der Feminismus heute tragen: klüger zu sein, als es Männer seit Jahrhunderten sind.

Was die Politik nicht schafft, müssen wir in unseren Unternehmen endlich vorleben: Gleichberechtigung aller Geschlechter, Altersgruppen, Bildungshintergründe – freiwillige Frauenquoten oder gesetzlich gesteuerte Gehaltsmodelle sind da falsche Ansätze. Das binäre Denken muss aufhören und das muss nach außen kommuniziert werden – in sicher nötigen Academys und in popkulturellen Motiven. The Future is not female. Gender is the future!

Bildquellen:

Titelbild: Dan Gold/unsplash.com

The Future Is Female Instagram: h_e_r_s_t_o_r_y

This is the Sign: Austin Chan/unsplash.com

Frau im Store: Cayton Heath unsplash.com

Letzter BeitragNächster Beitrag