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Was die Herausforderungen der Digitalisierung für uns bedeuten

Eva Friese & Jan Franzen

Man möchte meinen, am Thema Digitalisierung geht kein Weg mehr vorbei. Wo die Freizeit schon längst aus 0en und 1en besteht, müsste sie doch auch im Arbeitsalltag angekommen sein. Weit gefehlt: Wo viele von Industrie 4.0 als größte (und einzige) Chance für die Arbeit der Zukunft reden, steckt vor allem eines drin: viel Arbeit, die digitalen Herausforderungen zu meistern. Die Politik sucht händeringend nach Lösungen – so auch Sahra Wagenknecht und Thomas Sattelberger, von denen wir uns fünf Zitate zum Thema genauer angeschaut haben.

Sattelberger: „WIR BRAUCHEN DEN ABSCHIED VON DER FÜNF-TAGE-WOCHE MIT ACHT-STUNDEN-TAG. STATTDESSEN FLEXIBLE VEREINBARUNGEN VON ARBEITSZEITEN ZUM BEISPIEL IM RAHMEN EINES MONATSKONTINGENTS VON 140 BEZIEHUNGSWEISE 160 STUNDEN.“

Der Digitalisierung kommt bei der Frage nach zeitgemäßen Arbeitszeitmodellen eine Doppelrolle zu: Es geht nicht nur um digitale Themen im Sinne einer Digitalisierung von Arbeitsinhalten. Vielmehr ist der große Vorteil einer digitalen Infrastruktur – also den technischen Hilfsmitteln, digital zu arbeiten – der Impact aufs ganze Leben. Arbeitnehmer sind nicht mehr an einen Schreibtisch gebunden, Videokonferenzen lösen den logistischen (und ökonomischen) Aufwand eines Meetings auf, Cloud-Computing sichert die Möglichkeit, überall auf Daten zuzugreifen.

Wieso also nicht auch über individuelle Arbeitszeitkontingente nachdenken? Vielen Arbeitnehmern würde das entgegenkommen: Arbeiten und produktiv sein, wenn es sich danach anfühlt und wenn man es in seine eigene Work-Life-Balance einfügen kann.

Wagenknecht: „DIE DIGITALISIERUNG WÜRDE THEORETISCH ARBEIT EINSPAREN, UND AUCH EINE ARBEITSZEITVERKÜRZUNG ERMÖGLICHEN. ABER DAS, WAS WIR HEUTE ERLEBEN, IST JA EHER, DASS DIE LEUTE NOCH VIEL LÄNGER UND INTENSIVER, AUCH AN IHREN WOCHENENDEN, UND ABENDEN IN DIESER ARBEITSSCHLEIFE DRINHÄNGEN. WAS VON IHNEN ERWARTET WIRD: STÄNDIGE VERFÜGBARKEIT.

Wenn neue Arbeitszeitmodelle kommen – und ja, sie werden kommen –, ist zu aller erst der Arbeitgeber in der Pflicht: Er gibt seinen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern die Möglichkeit, frei über die Arbeitsstunden zu bestimmen? Dann sollte er sich auch daran halten. Wer am Wochenende arbeitet, hat Recht auf Freizeit unter der Woche – wer es andersrum macht, ist auch im Recht.

Zum Thema gehört aber auch ein gewisser Weiterbildungsaufwand für Arbeitnehmer: Gerade ältere Mitarbeiter, die jahrelang in festen Strukturen gearbeitet haben, können vielleicht nicht von heute auf morgen flexibel und agil arbeiten.

Hier wird Digitalisierung am Arbeitsplatz auch für Soft Skills relevant – und reicht dem Arbeitnehmer in dieser Hinsicht fast menschlich die Hand. Das Mindset der Zukunft ist ein anderes. Das kann kein Digitalisierungsgegner bestreiten. Und auf dem Weg dahin sind Menschen auf digitales Know-how angewiesen. Und dann reden wir nicht mehr von einer Überfremdung durch Technik, sondern durch eine notwendige Hilfestellung, sich für die Zukunft aufzustellen.

Sattelberger: „AUS ALTER GEWOHNHEIT GÄNGELN CHEFS MIT DER PRÄSENZKULTUR UND ORDNEN INNOVATIONSPROZESSE VON OBEN NACH UNTEN AN, ANSTATT FREIHEIT UND ENTSCHEIDUNGSTEILHABE DER KREATIVEN ZU FÖRDERN.“

Wenn sich eines nicht planen lässt, dann Kreativität. Innovative Lösungsansätze oder neu gedachte Prozesse kommen nicht unbedingt zwischen 9 to 5. Wenn eine gute Idee sonntagsnachts um 10 in den Kopf kommt, muss ein Arbeitnehmer durch die Strukturen in seinem Job dazu motiviert werden, ihr nachzugehen. Wie? Durch flexiblen Arbeitszeitenausgleich. Übrigens: Diese Freiheiten gehören nicht nur in die Kreativbranche!

Agiles und flexibles Denken muss in jeder Branche und in jedem Bereich ankommen – auf jeder Hierarchieebene. Personalverantwortliche müssen Quereinsteiger mit digitalen Know-how einstellen, Input von allen Ebenen zulassen, Task Forces bilden, die digitale Prozesse ausarbeiten, digitale Prozesse in den Alltag implementieren.

Ja, die Zukunft der Arbeit überdenkt die jetzige Präsenzkultur, sie überlebt sie aber nicht! Ob Daten im Spiel sind oder nicht, der persönliche Austausch muss weiterhin stattfinden. Nicht zuletzt deshalb werden Feel-Good-Manager oder Scrum-Master in Unternehmen immer wichtiger und begehrter.

Wagenknecht: „DIE MENSCHEN MÜSSEN AUFBEGEHREN UND SICH WEHREN, ZU REINEN DATENLIEFERANTEN DEGRADIERT ZU WERDEN.“

Eines darf der Mensch in der digitalen Revolution nicht machen: sich in eine passive Rolle zwängen lassen. Das gilt übrigens im Privaten genauso wie im Beruflichen. Das Buzzword lautet hier: Verantwortung. Unternehmen wie Google & Co. haben die Pflicht, verantwortungsbewusst mit unseren Daten umzugehen – und ja, sie kommen ihr nicht nach.

Aber auch die User stehen in einer persönlichen Verantwortung: Was gebe ich über mich preis? Wie gut sichere ich meine Daten? Wie gehe ich mit Bewerberdaten um? Wofür nutze ich sie? Mache ich Profit mit ihnen?

Ein aktuelles Beispiel: die DSGVO. Alle sind genervt und fühlen sich überfordert – Arbeitgeber wie Arbeitnehmer. Stattdessen muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, warum es wichtig ist, seine Bewerber, Mitarbeiter und User darüber aufzuklären, was mit ihren Daten passiert. Weniger meckern und mehr Zeit und Energie dafür nutzen, komplizierten Gesetztes- und Datensprech in Alltagssprache zu übersetzen – um das Digitale ins Analoge zu übertragen.

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