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Job Shadowing für alle: Über wertvollen Input von anderen Unternehmen

Jan Franzen

Es ist ein Begriff, der hierzulande ein Schattendasein führt: Job Shadowing. Er beschreibt, ganz im Sinne einer klassischen Assistenz, ein effektives Training-on-the-Job für das Onboarding neuer Mitarbeiter. Jedoch kann diese Idee auch unternehmensübergreifend gewinnbringend weitergedacht werden – als Austausch von Ideen, Prozessen und Denkmustern.

Der Mehrwert des Job Shadowings ist im Onboarding, aber auch als Vorbereitung auf eine neue Position innerhalb des Unternehmens, ganz praktischer Natur. Anstatt Imagebroschüren zu lesen oder sich mit seinen neuen Kollegen über das Arbeitsumfeld lediglich nur zu unterhalten, begleitet der neue Mitarbeiter die anderen an den ersten Tagen in seinem neuen Umfeld: „Job shadowing allows the observer to see and understand the nuances of a particular job.“ Wieso aber sollte nur ein einzelner von tiefen Einblicken in neue Strukturen profitieren ­und nicht etwa das ganze Team?

Zur Selbstoptimierung gehört immer die Frage: Was machen andere besser?

Das Job Shadowing fürs ganze Unternehmen gleicht den Maßnahmen des Trainings-on-the-Job sehr – ganz im Sinne eines Input-on-the-Job: Kleine Projektgruppen oder ganze Teams suchen den direkten Austausch vor Ort. Nach vorheriger Absprache finden sich beide Seiten zusammen und lernen sich kennen. Als Gast kann man an Meetings teilnehmen, um den konstruktiven Austausch mitzuerleben, beim Brainstorming von anderen Herangehensweisen profitieren, seine eigenen Erfahrungen mitteilen, neue Strukturen des Projektmanagements kennenlernen oder bei einem Gespräch mit dem HR-Beauftragten die eigenen Personalmarketingmaßnahmen mit denen des anderen vergleichen.

Was hierfür als allererstes abgestellt werden muss, ist ein starres Konkurrenzdenken. Es geht nicht darum, anderen Ideen zu klauen und seine Mitbewerber auszustechen. Es geht um viel mehr. Nämlich um die Frage, wie modernes Arbeiten funktioniert. Und wieso müssen die immer so laut geforderte Transparenz und die Anpassung an eine sich wandelnde Jobwelt ganz im Stillen für jeden selbst passieren? Wenn jemand sein Projektmanagement auf agile Prozesse umstellt, wieso sollte er dieses Know-how nicht mit anderen teilen? Ja, schon klar, hierfür gibt es auch externe Dienstleister. Dann lieber noch plakativer: Wirbt ein Unternehmen damit, dass die Abschaffung des Acht-Stunden-Tages ein voller Erfolg ist, warum nicht anderen Arbeitgebern hautnah davon Einblicke geben?

Wer aber nur nach dem „Wie“ fragt, verschließt sich vor großen Chancen

Aber natürlich, ideelle Ansätze werden auch immer daran gemessen, wie realistisch sie sind. Also: Ist ein derartiges Job Shadowing möglich? Durchaus! In größeren Unternehmen dürfte es ein Leichtes sein. Unter einem Dach sind die Dienstwege kurz, auch, wenn es an andere Standorte gehen sollte, die vielleicht sogar im Ausland liegen. Und schauen wir auf die digitale Szene, etwa in die Start-up-Welt. Dort ist eine gute Vernetzung unter Gründern meist die Regel, so dass externes Job Shadowing leicht zustande kommen könnte.

Was bei der ganzen Idee in jedem Falle notwendig ist: Der Arbeitgeber muss seinen Mitarbeitern Freiräume geben, die es ermöglichen, den direkten Austausch zu suchen und Eigeninitiative zu zeigen. Aber wieso auch nicht? Am Ende könnte eine Win-win-Situation für beide Seiten herauskommen. Dadurch, dass man sich gegenseitig wichtige Impulse für die eigene Arbeitsoptimierung gibt und vielleicht sogar zusätzlich in einer möglichen Kooperation ökonomischen Nutzen daraus zieht.

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