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Feel Good oder viel zu wenig Freizeit? Über Social Benefits für Mitarbeiter

Jan Franzen

Social Benefits, also gemeinsame und vom Arbeitgeber gesponserte Unternehmungen, fördern das Teambranding. Dieser entscheidende Faktor für gutes Personalmarketing macht Arbeitnehmer glücklich und stärkt die Employer Brand des Unternehmens. Eine Win-Win-Situation, möchte man meinen. Nicht, wenn After-Work-Partys & Co. Überhand nehmen – denn dann kann die Arbeitgebermarke immens leiden.

Gegen all die Annehmlichkeiten, die den grauen Büroalltag bunter machen, kann ein Arbeitnehmer nichts einzuwenden haben, oder? Die rabattierte Mitgliedschaft im Fitnessstudio gibt den gewissen Motivationsschub, endlich aktiv zu werden auf dem Laufband und beim gemeinsamen Kochen nach Feierabend vergisst man die Sorgen am Schreibtisch. Der gewünschte Effekt für den Arbeitgeber: die emotionale Bindung der Mitarbeiter. Denn die kommt nicht von mehr Geld oder Urlaub.

Kann man Emotionalität konstruieren?

In der aktuellen Gallup-Studie 2017 zur Motivation der Beschäftigten in Deutschland fasst Marco Nink, einer der Studienverantwortlichen, zusammen: „Faktoren wie Arbeitsplatzsicherheit, Entlohnung, Sozialleistungen, flexible Arbeitszeit oder die Zahl der Urlaubstage sind für Mitarbeiter zwar durchaus wichtig, sie haben aber auf deren emotionale Bindung kaum Einfluss.“ Sind es dann die Social Benefits, die diese Rolle übernehmen?

Wir alle kennen Studien, die darauf hinweisen, dass zufriedene Mitarbeiter seltener krank sind, die Produktivität steigern und die Fluktuation im Team senken. Und das kann man nun für die emotionale Komponente im Recruiting nutzen: Unternehmen zeigen auf ihren Karriereseiten, was sie vor und nach Feierabend zusammen unternehmen, um ihre Cultural-Fit-Idee aktiv vorzuleben. (Ja, auch wir weisen potentielle Bewerber immer wieder auf unsere Vorliebe für Kuchen hin!) Manche fordern sogar einen Zusatzkatalog mit allen Social Benefits, der für Außenstehende einsehbar ist.

Wenn vom Feierabend-Bier nur noch das Bier bleibt

Was aber, wenn zu viel des Guten ins Gegenteil umschlägt? Wenn Mitarbeiter nicht nur zu Freunden werden, sondern sie ersetzen oder wenn die Grenze zwischen Arbeitszeit und Freizeit verschwimmt? Wenn Social Benefits zum lästigen Pflichtprogramm werden? Dann hat man Angst, als Einziger nicht mitreden zu können, wenn das Team rund um den Chef zusammenwächst und traut sich nicht, nein zu sagen.

Ein anderer Aspekt ist die übermäßige Emotionalisierung von Arbeitsleistung. Hat man das Gefühl, seinen Kollegen mit einer minderwertigen Arbeit zu enttäuschen, ist die professionelle Distanz aufgelöst. Oder spornt diese Nähe besonders zu guten Leistungen an? Nicht, wenn man negative Entscheidung gegen sich selbst persönlich nimmt. Die Frage ist in diesem Punkt letztendlich: Will man am Arbeitsplatz eine große Familie sein oder strebt man ein kollegiales Verhältnis untereinander an?

From 9 to High 5 im Büro

Dass übermäßiges Teambranding gefährlich werden kann für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, zeigt in diesem Kontext die Meinung Christian Henschels, dem Geschäftsführer von Adjust – gerade, weil er es gutheißt: „Wenn ich meine Arbeit gerne mache und sie mich erfüllt, ist Work-Life-Balance überflüssig.“ Das ist schlichtweg falsch. Vielmehr ist es so: Wenn man selbst keine Notwendigkeit mehr sieht, über die Work-Life-Balance nachzudenken, ist sie nötiger denn je.

Bildquellen:

Freundinnen: I’m Priscilla/Unsplash.com

Tanzende Frau: Death to Stockfotos

Eis am Stiel: Goran Ivos/Unsplash.com

Please Don’t Try To Sleep Here: Maria Freyenbacher/Stocksnap.io

Gelbe Haustür: Evelyn Paris/Stocksnap.io

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