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Werden Social Bots Personaler bald ersetzen?

Jan Franzen

Bald ist er endlich da, der Kampf Mensch vs. Maschine! Er findet jedoch nicht in der Science-Fiction-Matrix statt, sondern in der Recruiting-Welt. Die Personaler kämpfen wie Neo, der Auserwählte, gegen die Social Bots, die ihnen die Vormachtstellung im Recruiting streitig machen – der angestaubte Begriff „War for Talents“ bekommt eine ganz neue Bedeutung. Aber was bedeutet es, wenn Bewerber in Zukunft ihren Job dank optimierter Bots finden und nicht mehr durch die Hilfe fleißiger Personaler? Und was, wenn dieser Kampf das Beste ist, was uns passieren kann?

Reden wir nicht nur über Bots, sondern auch über die Menschen, die sie nutzen

Hinlänglich ist darüber diskutiert worden, dass Social Bots momentan noch nicht so perfekt sind, wie sie in Zukunft sein werden. Schieben wir den Status Quo aber mal beiseite und fragen: Was bedeutet es, wenn sich Personaler und Bots plötzlich auf Augenhöhe wiederfinden, sprich, wenn für den User kein Unterschied mehr zwischen Ihnen festzustellen ist? Wenn Bots sogar besser sind?

Bei der Suche nach den Antworten auf diese Fragen ist die Bewerberperspektive hilfreich, schließlich sind es zwei Schlagworte, die die Jobsuche beschreiben: Emotionalität und Konstruktivität. Emotional ist sie, weil ein neuer Job die ganze Lebenswirklichkeit betrifft – vom Umgang mit neuen Kollegen über einen potenziellen Ortswechsel bis zu finanziellen Beweggründen. Das Ganze will also gut überlegt sein, denn ein Job soll bekanntlich glücklich machen. Konstruktiv soll die Suche verlaufen, da Bewerber ohne Warteschleife oder „404“ schnell und individuell auf sie zugeschnittene Stellenangebote finden wollen.

Wenn Maschinen die besseren Menschen sind

Die Vorteile eines Chatbots im HR-Umfeld fasst Stefan Scheller von Persoblogger.de zusammen, indem er eine bessere Candidate Experience darin sieht, wenn Bots konkrete Anfragen schneller und zielführender beantworten als ein Mensch. Sei es durch die ununterbrochene Erreichbarkeit oder den passenden Link zur Stelle, der direkt im Chatfenster aufpoppt – der ganze Dialog findet im Messenger statt, Umwege über das Telefon oder verschiedene Anwendungen am PC fallen weg. Social Bots gestalten die Jobsuche also durchaus konstruktiver für die Bewerberin oder den Bewerber.

Und die Emotionalität? Auch die ist digital – wenn nicht sogar der digitale Megatrend 2017. Die Gefühle des Users bei der Suchanfrage und damit auch die semantischen Felder, die sich dahinter verbergen, werden immer wichtiger für Google & Co. Ganz einfach, weil sie den Menschen vor dem Display nicht enttäuschen möchten (wo wir auch wieder bei der Konstruktivität wären). So stellt etwa Wil Reynolds, CEO von seer, ganz plakativ fest:

„Hört auf die Menschen – sie sind diejenigen, die auf eure Top-Ergebnisse klicken. Fragt euch doch mal, wie viel ihr über sie wisst? Wie viel Zeit habt ihr damit verbracht zu analysieren, warum Menschen etwas kaufen?“

Wie sozial kann social eigentlich sein?

Ob Produkte kaufen oder Job suchen: Wissen Bots nicht einfach mehr über die Bewerber, als anonyme Personaler, die sich hinter Mail-Adressen und Telefonnummern verstecken? Schon im Moment der ersten Kontaktaufnahme weiß etwa der Chat-Bot eines Unternehmens im Facebook-Messenger so einiges über den Bewerber (Datenschützer, bitte wegklicken!): Seine Likes verraten dem Bot dessen individuelle Vorlieben, angegebener Wohnort und Bildungsgrad lassen die Suche weiter eingrenzen – ganz zu schweigen vom Targeting des individuellen Nutzerverhaltens auf Google. Sind digitale Emotionen also gar nicht unechter als menschliche? Zumindest erzeugen perfekte Bots echte Gefühle. Denn mit der richtigen algorithmischen Grundlage machen Bots die User glücklich.

Was denn jetzt: Utopie oder Dystopie?

Social Bots kriegen menschlich klingende Namen, um persönlicher zu werden und die künstliche Hürde zum lebenden Personaler abzubauen – denken wir im Infotainment-Bereich an Alexa oder Siri. Wird der Mensch im Recruiting-Prozess also tatsächlich obsolet und merkt man dessen schleichenden Abgang nicht einmal? Nein, absolut nicht. Aber wieso nicht lieber eine Symbiose zwischen Mensch und Maschine ansteuern, als Chatbots von vornherein zu kritisieren?

In der ersten Recruitungphase können sie ökonomischer sein als die Job-Experten hinter dem Bildschirm – sie sind schneller, billiger und immer erreichbar. Wenn es dann aber um das Auswahlverfahren geht, wenn ein Bewerber in Sachen Cultural Fit geprüft wird oder es um das konkrete Aushandeln eines Vertrages geht, können menschliche Empathie und Einschätzung digital nicht ersetzt werden. Bis dahin sollte sich die HR-Welt in der Matrix entspannen und mit Mr. Smith anfreunden.

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